New Work – New Work

Ariadne New Work / Neues Arbeiten , , , , , , , ,

Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt

Lesezeit: 6 Minuten

„If you can make it there, you’ll make it everywhere. It’s up to you,….“, hat Frank Sinatra 1973 New York besungen. Wenige Jahre später, wurde „New Work“ ins Leben gerufen. Keine Hymne an eine Stadt, sondern eine Antwort auf die Automatisierung der Arbeitswelt, die viele Menschen verunsichert hat. Wenn menschliche Arbeit wegfällt, wofür steht dann der Mensch? Mit dieser Frage hat sich der österreichisch-US-amerikanische Philosoph Friethjof Bergmann beschäftigt. Seine These: Da das „Job-System“ an seinem Ende sei, habe die Menschheit die Chance, sich von der Knechtschaft der Lohnarbeit zu befreien.

New Work heute

Wir springen aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in das Jahr 2019. Martin, Ingenieur in einem Konzern im Südwesten Deutschlands, scheint auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang mit der Idee von Friethjof Bergmann zu stehen. Doch sie beeinflusst seine Arbeit mehr denn je. Er hat erfahren, dass er mit zwei Kollegen aus Europa und einer Kollegin aus Asien gemeinsam an einem Projekt arbeiten wird. Sie werden ein virtuelles Team bilden. Jeder ist ein Experte in seinem Fachgebiet und gemeinsam sollen Sie ein Konzept entwickeln. Bisher hat Martin nur innerhalb seiner eigenen Abteilung und gelegentlich mit Kollegen aus angrenzenden Bereichen gearbeitet. Man hat sich persönlich getroffen und gemeinsam ein Konzept entwickelt. Da Martin und seine Kollegen in der gleichen Organisation waren, kannten sie sich und den Arbeitsbereich des anderen gut. Gemeinsame Sprache war deutsch. Im Zuge der Zusammenarbeit, sind sie oft zusammen zum Mittagessen gegangen.

Friethjof Bergmann: New Work
Der Sozialphilosoph Friethjof Bergmann erkannte auf seinen Reisen von 1976 bis 1979 in die damaligen Ostblockländer, das der Kommunismus keine Zukunft mehr hat. Er setzte sich zunehmend mit dem Kapitalismus auseinander und entwickelte die Idee eines Gegenmodells , die „Neue Arbeit“ (englisch New Work). Als zentrale Werte sieht er: Selbständigkeit, Freiheit und Teilhabe an Gemeinschaft.
Bergmann geht es bei New Work nicht darum, einen Obstteller hinzustellen und es als New Work zu präsentieren, sondern – wie er selber in einem Interview mit t3n sagt: „…um eine andere Art, Arbeit zu organisieren. Die Absicht ist, Arbeit so zu organisieren, dass sie nichts ­Gezwungenes ist, sondern man Arbeit tut, die man wirklich, wirklich will. Das ist, was ich seit vielen Jahren predige.“

Diese neue Art zu arbeiten, ist eine große Veränderung für Martin. Werden seine Englischkenntnisse ausreichen? Wird er die Kollegen verstehen? Wie kann man zusammen arbeiten, wenn man sich nicht kennt oder sieht? Kennen die anderen sein Tätigkeitsbereich? Wie arbeitet man in Asien? Wie muss er sich verhalten? Man sieht, New Work bedeutet nicht nur, die Büroumgebung zu ändern oder zu beschließen, ab jetzt nur noch virtuell zu arbeiten. In Martins Fall, sollte sowohl Martin offen sein, neu und anders zu arbeiten als auch Martins Führungskraft. Diese muss Martin durch die Veränderung begleiten und die neue Art der Zusammenarbeit unterstützen. Das bedeutet unter Umständen Abschied von hierarchischen Verhalten. Und letztendlich sind die technischen Voraussetzungen und Ausstattung der Projektmitglieder sehr gut sein, um diese Art der Arbeit zu ermöglichen. Damit New Work erfolgreich umgesetzt werden kann, ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich.

Umsetzung von New Work (in Anlehnung an Gründerszene):
* Selbstbestimmung: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden in der Strategie-Entwicklung einbezogen. Jeder Einzelne ist gefragt. Leistungs- und Lernziele werden vom Mitarbeiter / der Mitarbeiterin selber in Zusammenarbeit mit der Führungskraft gesetzt. Auch die Arbeitszeit wird weitestgehend selbst gestaltet. Um dies zu leben, bedarf es Menschen, die befähigt sind, selbstbestimmt zu arbeiten
* Führung: Die Führung sollte modern und demokratisch sein. Dazu bedarf es Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter in Entscheidungen mit einbeziehen und diese dabei unterstützen, sich weiter zu entwickeln.
* Agilität: Entscheidungsprozesse in Unternehmen sind schnell (=agil) und weniger hierarchisch zu gestalten. Das erfordert neben schnellen Entscheidungsprozessen eine Unternehmenskultur, die Fehler verzeiht und flache Hierarchien.
* Flexibilität: Flexible Arbeit hinsichtlich Ort (z.B. von zu Hause oder auf Reisen zu arbeiten) und hinsichtlich Zeit (z.B. flexible Arbeitszeiten, die weitestgehend autonom festgesetzt werden können).
* Neue Bürokonzepte: Konzeption neuer Arbeitswelten, wie freie Arbeitsplatzwahl (open desk), kreative Arbeitsplätze (creative work spaces), moderne Besprechungsräume (z.B. focus rooms), Räume für konzentriertes Arbeiten (z.B. phone booths) und Ruhebereiche.

Ohne Digitalisierung geht es nicht

Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Digitalisierung fortgeschritten ist. Entscheidungsprozesse sollten datengetrieben und nicht bauchgetrieben sein. Im Ursprung von New Work ging es darum, dass die Maschine den Menschen ersetzt. Übrig bleibt nur die Arbeit, „die man wirklich will“. Dazu wiederum bedarf es meiner Meinung nach einer fortgeschrittenen Digitalisierung (unter Berücksichtigung von Datenschutz und Sinnhaftigkeit).

Ich finde das Thema New Work/neues Arbeiten sehr spannend. Eine neue, freiere Zukunft eröffnet sich für uns. So spannend, dass es hierfür auf meinem Blog eine eigene Rubrik gibt. Ich möchte zum einen für die Idee New Work begeistern. Zum anderen weiß ich, dass es nicht immer leicht ist, sie zur Zufriedenheit aller umzusetzen.
* Was ist zum Beispiel, wenn der Mitarbeiter selbstbestimmt ist und das Unternehmen Home Office erlaubt, der Vorgesetzte aber anweist, dass nur im Büro gearbeitet werden soll? Hier ist die Führungskraft noch nicht in der neuen Welt angekommen.
* Nicht jeder kann und mag selbstbestimmt und frei arbeiten. Wie stelle ich die richtigen Personen ein? Wie schaffe ich es, dass meine Mitarbeiter den Wandel akzeptieren? Wie lerne ich selber, mich der neuen Welt anzupassen?
* Wie kann ich schnelle Entscheidungen sicher stellen, wenn die Prozesse noch völlig hierarchisch und veraltet sind?
* Wie kann ich neue Arbeitsmethoden einsetzen, ohne Cargo Cult (https://keep-calm-and-grow-your-talent.de/entlarvt-das-geheimnis-des-cargo-cults) zu betreiben?
* Wie wird die Arbeitswelt mit zunehmender Digitalisierung aussehen?
* Welche Arten des neuen Arbeitens erwarten uns? Begriffe wie agiles Arbeiten, design thinking, scrum kreisen um uns herum, fassen aber nicht immer richtig Fuß.
* Welche Jobs wird es in Zukunft geben?

Ein neues System funktioniert nur reibungslos, wenn alle Stellschrauben ineinander passen. Deshalb lohnt es sich über Neues Arbeiten zu schreiben und auch einmal kritisch hinter die Fassade zu blicken.

Als Arbeitnehmerin habe ich Erfahrungen mit dem Konzept, da es die Zentrale meines letzten Unternehmens bereits umgesetzt hatte. Ein großer Vorteil war, dass ich als „Neue“ im Projekt relativ problemlos im Büro ankam und mit meinen Projektmitgliedern sehr gut zusammen arbeiten konnte. In meiner Selbständigkeit bin ich dieser Idee treu geblieben und arbeite in Co-Working Spaces. Das sind Orte, die Büroarbeitsplätze oder Besprechungsräume vermieten – auch tageweise. Dorthin kann ich mich kurzfristig einbuchen und einen Schreibtisch oder Besprechungsraum bekommen. Freiheit und Flexibilität wir ich sie mag.

Was für Erfahrungen hast Du bisher mit New Work gemacht? Was gefällt Dir? Worin siehst Du die Risiken? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

Herzliche Grüße
Ariadne – von keep calm & grow your talent

Wer gerne sein Wissen vertiefen möchte, findet hier meine verwendeten Quellen:
*Wikipdia: https://de.wikipedia.org/wiki/Frithjof_Bergmann#New_Work
*Gründerszene: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/new-work?interstitial
*t3n: https://t3n.de/magazin/new-work-urvater-frithjof-bergmann-alte-mann-mehr-247621/
*Karrierebibel: https://karrierebibel.de/new-work/

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